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Archive for the ‘Buch des Monats’ Category

Liebe Leserinnen und Leser,

Gesundheit! Gesundheit! Gesundheit! – Überall wird gerade geniest und gehustet. Die alljährliche Erkältungswelle ist in vollem Gange und arbeitet sich, zusammen mit anderen hoch unliebsamen Bazillen, einmal quer durchs Land.
Natürlich hoffe ich, dass es Euch noch nicht erwischt hat und schon gar nicht schlimmer. Doch für den Fall der Fälle habe ich das passende Buch des Monats für Euch gefunden!

„Kittel, Keime, Katastrophen“ von Heinz-Wilhelm Esser, einigen von Euch vielleicht besser bekannt als Doc Esser aus dem WDR Fernsehen, beschäftigt sich nämlich mit dem manchmal fast schon abenteuerlichen Alltag in unseren Krankenhäusern.
Aus erster Hand berichtet der Notfallmediziner und Lungenfacharzt von seiner Arbeit und weiß auch so manche Anekdote zu erzählen.
Schnell wird klar: Der wirkliche Alltag im Krankenhaus hat herzlich wenig mit dem zu tun, was uns in Serien ala „Grey’s Anatomy“ oder „Doctor’s Diary“ vermittelt wird.

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„Kittel, Keime, Katastrophen“ räumt mit zahlreichen solcher Klischees auf und bietet dem Leser stattdessen sachdienliche Informationen rund ums Kranksein – von allgemeinen Patientenrechten über multiresistente Keime, Narkosen und Schmerzempfinden bis hin zur Patientenverfügung.

Dabei führt der Autor trotz der ernsten Thematik mit viel Witz und Charme und manchmal auch mit einem Augenzwinkern durch sein Buch (Stichwort: Google-Wissen von Patienten) und bietet dem Leser somit einen ehrlichen Blick hinter die Kulissen – vor allem dann, wenn es um das deutsche Gesundheitswesen allgemein geht.
Dabei kommt er zu dem Schluss: Ärzte und Pfleger sind auch nur Menschen. Und hilft es ungemein, ihnen auch als solchen zu begegnen – trotz oder gerade wegen der unangenehmen Umstände, die einen erst ins Krankenhaus gebracht haben.

Denn dass niemand gerne krank ist, auch Ärzte nicht, versteht sich von selbst. Dennoch war es sehr unterhaltsam zu lesen, wie unterschiedlich ein Arzt das Krankenhaus wahrnehmen kann, je nach dem, ob er beruflich oder selbst Patient da ist 🙂

Wir wollen es nicht hoffen, aber wem ein Klinikaufenthalt bevorsteht, der ist mit diesem Buch auf jeden Fall dafür gewappnet – oder weiß sich zumindest ein wenig abzulenken und die Zeit zu vertreiben 🙂

In diesem Sinne – bleibt gesund (beziehungsweise gute Besserung an alle, die es schon erwischt hat)!

Keimfreie Grüße,

Eure Lisa Häßy

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Liebe Leserinnen und Leser,

ein persönlicher Diener, der ohne Beanstanden alles erledigt, was ihr ihm auftragt und nie müde oder krank wird – klingt das nicht toll?

In Matt Haigs Roman „Echo Boy“ ist das ganz normal. Fast jede Familie verfügt im Jahr 2115 über solch einen Alltags-Gehilfen.
Die sogenannten „Echos“ sind jedoch keine Angestellten im eigentlichen Sinne: Denn sie sind gar keine Menschen, sondern hochentwickelte Roboter – ausschließlich dazu geschaffen, das Leben der Menschen zu erleichtern. Umso verwirrter ist die fünfzehnjährige Audrey, als der Echo ihrer Familie, Alissa, augenscheinlich Fehlfunktionen zeigt.

Aus den harmlosen Sprachstörungen und dem zwanghaften Wiederholen immer gleicher Tätigkeiten wird jedoch schlagartig bitterer Ernst, als Alissa plötzlich komplett durchdreht und Audreys Eltern tötet. Audrey selbst entkommt nur knapp.
Plötzlich auf sich allein gestellt und tief traumatisiert von dem, was sie gesehen hat, wendet sie sich an ihren Onkel, der sie umgehend bei sich aufnimmt.

Der Haken an der Sache: Er ist Chef eines Echo-Konzerns und sein Haus voll mit Robotern – ein Albtraum für Audrey. Und als wäre das nicht genug, ist da noch ein ganz spezieller Echo, der ihr trotz ihrer Angst auffällt: Denn der Prototyp Daniel ist anders als die anderen. Viel feinmotorischer, filigraner und es wirkt fast so, als hätte er etwas wie… eine Persönlichkeit.
Aber ist das überhaupt möglich? Wo er doch gar kein richtiger Mensch ist?

 

 

Matt Haig nimmt den Leser in „Echo Boy“ mit auf eine Reise, die sich rund um die Frage dreht: Was heißt es eigentlich, Mensch zu sein?

Zugegebenermaßen wird diese Frage im Zuge des technologischen Fortschritts immer wieder diskutiert und in der Literatur wie auch im Film zur Genüge behandelt.
Doch selten habe ich diese Debatte so intensiv erlebt wie in „Echo Boy“. Denn trotz der spannenden Grundgeschichte besticht dieses Buch weniger durch ausschweifende Action-Szenen als durch Introspektive und Tiefgang.

Durch wechselnde Erzählperspektiven von Audrey und Daniel kann der Leser an beider Gedanken teilhaben und stellt schnell fest: Der Unterschied zwischen dem „echten“ Menschen und dem, der nur seinem Programm nach vorgibt, einer zu sein, ist kaum spürbar.

Mich hat das Buch gleichermaßen begeistert wie auch sehr nachdenklich zurückgelassen. Denn die Welt, die Haig für uns in hundert Jahren prognostiziert, scheint gar nicht so abwegig.
Abgesehen von den Echos und selbstfahrenden Autos sowie allerhand technischem Schnickschnack in den Haushalten haben sich die Menschen kaum verändert. Und auch Audrey muss bald lernen, dass es Habgier, Machtversessenheit und falsche Gesichter auch 2115 gibt…

Wer Lust auf ein spannendes und philosophisches, zeitweise beklemmendes Buch hat, bei dem aber trotzdem nie die Hoffnung vergeht, der sollte bei „Echo Boy“ definitiv zugreifen!

 

Es grüßt Euch Eure ganz bestimmt menschliche
Lisa Häßy

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Liebe Leserinnen und Leser,

der Sommer 2018 neigt sich allmählich dem Ende zu – aber was für ein Sommer das war! Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber hebt so viel Sonnenschein am Tag nicht sofort die Stimmung?

Leider gilt das nicht für Tessa. Die Protagonistin aus Anne Freytags Roman „Mein bester letzter Sommer“ kann dem allgemeinen Hoch-Lebensgefühl im Sommer nichts abgewinnen – dazu lastet die Gewissheit, dass sie aufgrund ihrer Herzerkrankung nur noch wenige Wochen zu leben hat, viel zu schwer auf ihr.

Beim Tod quasi in der Warteschleife, lässt die Siebzehnjährige die Tage an sich vorbeiziehen und verbringt ihr Leben im Wechsel in Arztpraxen, Krankenhäusern und ihrem Zimmer.
Denn warum sollte sie sich um Freunde, Hobbies oder um ihren Führerschein kümmern, wenn sowieso jede Minute alles vorbei sein könnte?

Doch dann kommt es zu einer Begegnung in der U-Bahn, die alles verändert. Der Junge mit den intensiven Augen geht Tessa nicht mehr aus dem Kopf. Und wie der Zufall es so will, bleibt es nicht bei dieser einen Begegnung, denn Oskars und Tessas Wege kreuzen sich auf wundersame Weise erneut und die bisher sehr triste Welt der Siebzehnjährigen wird komplett auf den Kopf gestellt.

Denn auch wenn Tessa anfangs noch mit sich ringt – dürfen sich unheilbar Kranke eigentlich verlieben? –, färbt Oskars lebensfrohe Art mehr und mehr auf sie ab. Und so befindet sie sich, ehe sie sich versieht, mit Oskar auf dem Weg nach Italien – nichtsahnend, dass dieser Roadtrip in dem klapprigen Volvo sich als die beste Zeit ihres Lebens entpuppen würde.

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Denn nicht nur, dass sie zum ersten Mal ihre gewohnte Welt verlässt, begreift sie durch Oskar auch, dass man sich besser auf die Tage zu konzentrieren sollte, die man hat, als die runterzuzählen, die einem vielleicht noch bleiben, frei nach dem Motto:

„Das Leben wird nicht definiert von den Momenten, in denen du atmest, sondern von denen, die dir den Atem rauben.“

So losgelöst von allem erlebt Tessa die glücklichste Zeit ihres Lebens – und das färbt ab: Schon beim Lesen spürt man die Wärme und das dolce-vita-Lebensgefühl Italiens.
Ich wurde nicht nur einmal von einer plötzlichen Sehnsucht nach Meer und Strand ergriffen, nach einer Kugel Eis in der Abendsonne oder Sand unter den Füßen.
Ich bin mir sicher, Euch wird es beim Lesen genauso gehen 🙂

Mich hat das Buch tief beeindruckt. Romantisch, aber ungeschönt führt Anne Freytag durch die Geschichte, die auf tragische Weise realistisch und so bittersüß ist wie das Leben selbst.

Das Buch besticht außerdem durch einen wundervollen Schreibstil. Es lohnt sich, jeden Absatz ganz bewusst und einige Passagen sogar mehrfach zu lesen und die Wortwahl zu genießen – denn Anne Freytag beschreibt in ihrem ersten Jugendroman wirklich meisterhaft, sodass man vollends in die Geschichte hineingesogen wird.

Und vor allen Dingen kommt man bei dieser Geschichte ans Nachdenken: Über das Leben, die Liebe, Schicksal, Gerechtigkeit und vor allem darüber, dass man seine Zeit nutzen sollte und dass Carpe Diem mehr ist als nur eine Phrase.

Für mich ist „Mein bester letzter Sommer“ das ideale Buch, um mit dem Sommer abzuschließen – oder die letzten Sonnenstrahlen eben ganz bewusst zu erleben.

 

Es grüßt Euch sommerlich-nachdenklich
Lisa Häßy

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Dag, liebe Leserinnen und Leser!

Zählt Ihr schon voller Vorfreude die Tage bis zum Urlaub?
Oder seid Ihr gerade schon op vakantie? Vielleicht sogar auf dem Weg in die Niederlande?
Denn dann ist unser neues boek van de maand genau das Richtige für Euch!

Ich habe mir demletzt den „Niederländisch für Dummies“-Sprachkurs von Margreet Kwakernaak genauer angeschaut – eigentlich nicht mit der Intention, daraus ein Buch des Monats zu machen, sondern aus eigenem (Urlaubs-) Interesse.
Ein Großteil der deutschen Urlauber reist nämlich in die Niederlande, die klischeemäßig für Windmühlen, Tulpen und eine große Käsevielfalt bekannt sind.

Seid Ihr vielleicht auch darunter? Dann kann ich Euch das Lehrwerk aus der „Für-Dummies“-Reihe nur wärmstens ans Herz legen!

Buch des Monat 08

©http://www.wiley-vch.de/de/

Denn wie der Name schon sagt, werden die wichtigsten Aspekte der niederländischen Sprache dort einfach und verständlich erklärt. Es sind keinerlei Vorkenntnisse erforderlich, weder in der niederländischen Sprache selbst noch bei allgemeinen grammatikalischen Begrifflichkeiten – alles wird schrittweise im Verlauf des Buches erklärt. Dadurch bleibt das Lerntempo durchgehend moderat und angenehm.

Vor allen Dingen fand ich es toll, dass wichtige Regeln am Ende einer neuen Lerneinheit nochmal in wenigen Sätzen zusammengefasst und gesondert hervorgehoben werden. Genauso wie den Verzicht auf Ausspracheanleitungen in Lautschrift, die oft eine gewisse Hemmschwelle mit sich bringt.

Im vorliegenden Werk wird die Intonation stattdessen in normalen Buchstaben ausgedrückt. In dieser Hinsicht hat sich ebenfalls die beiliegende Audio-CD als hilfreich erwiesen, mit welcher man sich alle Dialoge des Buches anhören kann.

Außerdem vermittelt das Buch auf über 350 Seiten allerlei Wissenswertes zum Land selbst und der Kultur der Niederländer, sodass man wirklich Lust bekommt, das Gelernte direkt vor Ort auszuprobieren – zum Beispiel, um een kopje koffie in einem Café zu bestellen oder sich, ganz typisch Niederländisch, über das Wetter auszulassen.

Wer mehr als Goedemorgen! und Dank je wel! sagen möchte, ist hier also genau richtig.

Der einzige Nachteil an „Niederländisch für Dummies“ sind die fehlenden Praxisübungen.

Dennoch es handelt sich wirklich um ein umfassendes Werk, das bei mir definitiv die Begeisterung an einer neuen Sprache wecken konnte.
Und wer weiß –vielleicht verschlägt es mich nächsten Sommer auch als eine der zwei Drittel naar Nederland, um meine neu erlangten (und bis dahin hoffentlich tüchtig ausgebauten!) Sprachfähigkeiten anzuwenden 😉

Allen, die vielleicht ähnliches vorhaben, kann ich das Buch nur empfehlen J

Es grüßt Euch Eure Möchtegern-Nederlandse („Groetjes!“)

Lisa Häßy

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Liebe Leserinnen und Leser,

 

Wir schreiben das Jahr 2025. Bundeskanzlerin Merkel ist abgewählt. Deutschland wird seit geraumer Zeit von einer rechtspopulistischen Partei regiert, befindet sich in einem demokratischen Dämmerzustand und damit auf dem besten Weg in einen Überwachungsstaat. Die politische Opposition unsichtbar, die Bevölkerung leise. Politische Diskussionen, Konflikte jeglicher Art auszutragen gilt als Tabu. Die gutsituierten Menschen haben es sich gemütlich gemacht in ihren schönen, durchdesignten Stadtwohnungen oder den romantisch verklärten Rückzugsorten auf dem Land. Statt des Geistes wird der Körper trainiert. Dies im Übrigen gerne auch öffentlich, stellt doch der Staat gut sichtbare Trainingsplätze für jedermann zur Verfügung, zum Beispiel auf Straßenkreuzungen. Weniger gut situierte Leute schlagen sich so durch, machen sich unsichtbar.

 

So erscheint das Leben wie ein langer ruhiger Fluss. Ob Sojalatte oder wilde Gärten – es plätschert so dahin. Während die Kinder an den Playstations verrohen täuschen die Erwachsenen ein unbeschwertes Leben vor. Kann gerne so bleiben. Bei einer Umfrage zieht der größte Teil der Staatsbürger eine neue Waschmaschine dem Wahlrecht vor. Kein Witz. In diesem watteweichen, ja beliebigen Leben kommt die Protagonistin Britta mit einer Geschäftsidee daher, so unerwartet unverfroren wie verwegen, so kühn wie erfolgreich. Brittas kalte Geschäfte treiben die Geschichte voran, immer schneller, gefährlich und atemlos. Die gutbürgerliche Fassade bekommt Risse, Kälte und Skrupellosigkeit treten hervor.

Juli Zeh legt mit „Leere Herzen“ einen Politthriller vor, der seinesgleichen sucht. Einmal in die Geschichte eingestiegen, einmal die Unverfrorenheit der Geschäftsidee mit all ihren Konsequenzen verstanden, lässt einen die Geschichte nicht mehr los. Was ist da los? Wo führt das hin? Wie geht das aus? Man muss es wissen!

„Leere Herzen“ kann es in gesellschaftlicher Brisanz und intellektueller Scharfsinnigkeit mit Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ aufnehmen. Unbedingt. Liest sich nur viel leichter.

Klar, mutig, unverfälscht, humorvoll und in jeder Zeile: Spannend! Spannend! Spannend!

Es grüßt Petra Goerge,

die „Leere Herzen“ an einem Tag durchgelesen und danach beschlossen hat, zukünftig alles von Juli Zeh zu lesen. Echt.

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Liebe Leserinnen und Leser,

man will „noch schnell eine Mail beantworten“, „mal gerade gucken, wie das Wetter wird“ oder „kurz“ etwas googeln – wer kennt es nicht?
Die Möglichkeiten, die unsere Smartphones uns bieten, sind gefühlt grenzenlos.
Kein Wunder, dass sie aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind: Ob in der Bahn, auf Konzerten, beim Treffen mit Freunden oder sogar an der roten Ampel – überall Handys, ganz selbstverständlich.

Immer online, immer verfügbar – das scheint das Motto unserer Gesellschaft zu sein. Darauf zu verzichten – für den Großteil unvorstellbar.

Christoph Kochseines Zeichens Journalist und Blogger, geht es da jahrelang nicht anders. Als es nach seinem Umzug jedoch Probleme mit dem DSL-Anschluss der neuen Wohnung gibt, kauft er, zu seiner eigenen Schande, sogar einen Internet-Stick – zu einem horrenden Preis.
Doch ihm ist alles recht, um nicht länger auf Übergangsmaßnahmen wie Internet-Cafés zurückgreifen zu müssen. Koch fühlt sich nach eigenen Worten „wie ein Junkie, der nach langem Leiden […] endlich wieder zurück in die Arme seiner Droge flieht“, als er den Laden verlässt.

Und vor allen Dingen wird ihm in diesem Moment erstmals schmerzlich bewusst, wie abhängig er sich vom Internet gemacht hat. Als er darüber sinniert, wie es wohl wäre, von heute auf morgen einfach aufs Internet zu verzichten, und seine Freundin ihm – in der Annahme, dass er das sowieso nicht durchhalte – eine Wette anbietet, wagt er den Versuch: 30 Tage ohne Internet und Smartphone.

In seinem Buch „Ich bin dann mal offline“ berichtet Koch von eben diesem Experiment, das am Anfang tatsächlich eher holprig losgeht: Doch obwohl er sich bereits am Vorabend fragt, warum er sich das Ganze überhaupt antun wolle und außerdem das Bedürfnis verspürt, seine letzten Online-Stunden besonders zu nutzen, fühlt er sich gut gewappnet.
Dass das Experiment jedoch viel schwerer werden würde als gedacht, bemerkt er ziemlich schnell: Was beim Fehlen der Morgenlektüre beim Frühstück (Online-Artikel auf Nachrichtenseiten) beginnt, setzt sich in der nun eher umständlichen Kommunikation mit Freunden (spontane Verabredungen – (erstmal) Fehlanzeige!), gefühlt ewigen Wartezeiten auf Bus und Bahn und einer Menge anderer Aspekte fort, die im Vorfeld nicht abzusehen gewesen waren.
Wann habt Ihr z.B. das letzte Mal bei der Auskunft angerufen? 😉

Aber nach und nach setzt bei Koch auch ein Gefühl von Befreiung statt Bestrafung ein und er erlebt, wie schön das „analoge“ Leben sein kann. Dass der Autor sein Experiment freiwillig um weitere 10 Tage verlängert, spricht für sich.

 

Ich fühlte mich durch dieses Buch in meinen eigenen Erfahrungen mit „Digital Detox“ bestätigt. Viele Aspekte und Gedanken kamen mir durchaus bekannt vor, sowohl in der Anfangsphase („Warum mache ich das eigentlich?“) als auch die erleichternde Erkenntnis, wie schön es sein kann, nicht andauernd verfügbar zu sein – und wie viel Zeit man auf einmal hat!

Daher kann ich jedem von Euch nur nahelegen, sich auch mal daran zu versuchen – es muss ja kein Monat sein. Manchmal reicht es auch schon aus, das Handy für ein paar Stunden in den Flugmodus zu versetzen und einen einzelnen Moment ganz bewusst zu erleben.
Jetzt, wo das schöne Sommerwetter kommt, wäre das doch eigentlich ein guter Zeitpunkt, oder? 😉

Es grüßt Euch

Lisa Häßy,
die dieses Wochenende vielleicht auch mal wieder offline sein wird… 🙂

 

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Liebe Leserinnen und Leser,

hallo! Ich bin die Neue im Team „Buch des Monats“! Ab sofort werde ich Euch hier regelmäßig Bücher vorstellen, die ich für lesenswert halte oder die mir sonst irgendwie ins Auge gesprungen sind.

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Lisa schreibt ab sofort für euch das „Buch des Monats“

(Ich bin übrigens auch offen für Tipps und Empfehlungen Eurerseits. Also wenn mir jemand ein gutes Buch vorschlagen mag, über das ich vielleicht mal schreiben könnte… meldet Euch gern! Entweder per Kommentar hier im Blog oder direkt an meine E-Mail-Adresse: lisa.haessy@euskirchen.de)

Für meinen ersten Artikel habe ich mir ein Buch ausgesucht, das mich Anfang des Jahres völlig begeistert hat: Und zwar „Save Me“, von Mona Kasten. Dabei handelt es sich um den ersten Teil einer Trilogie aus dem sogenannten „New-Adult-Bereich“ – einem Genre, das sich an junge Erwachsene richtet und aktuell groß im Kommen ist. Endlich, wie ich finde, denn eine solche Gruppe hat in der Leselandschaft bisher irgendwie gefehlt. Für Kinder gibt es eine detaillierte Klassifizierung bis hin zum Teenageralter, aber zwischen Jugendbüchern und Erwachsenenliteratur klaffte bisher ein großer Spalt, in den jeder hineinfiel, der sich nicht mehr mit pubertierenden 16jährigen, aber auch noch nicht mit Figuren in der Midlife-Crisis identifizieren konnte. Diese Lücke füllen seit wenigen Jahren die New-Adult-Bücher –mit Themen und Charakteren, zu denen auch diese bisher wenig beachtete Lesergruppe einen Bezug entwickeln kann.

 

So geht es in „Save Me“ um Ruby Bell, die kurz vor dem Abschluss ihrer Schulzeit steht. Aber nicht an irgendeiner Schule: Ruby geht auf die ebenso teure wie renommierte Privatschule Maxton Hall, an der überwiegend Kinder von reichen Eltern unterrichtet werden. Kein Wunder, dass Ruby – die aus gewöhnlichen Verhältnissen kommt und nur durch ihr Stipendium an der Schule sein kann – sich dort nie wirklich wohl gefühlt hat. Doch Maxton Hall ist für Ruby ohnehin nur Mittel zum Zweck, denn sie träumt von Kindesbeinen an von einem Studium in Oxford und nicht davon, unter ihren Mitschülern beliebt zu sein. Diese scheinen in einer ganz anderen Welt zu leben als sie – in einer Welt der Oberflächlichkeit, in der Geld keine Rolle spielt, sondern alles löst, kurzum, eine Welt, die Ruby absolut nicht gefällt. Daher lautete ihre Devise über Jahre hinweg, möglichst nicht aufzufallen und sich einfach strikt aus allem rauszuhalten, was ihr auf ihrem Weg nach Oxford in die Quere kommen könnte. Leider scheitert diese Strategie in Rubys letztem Jahr, als sie unfreiwillig Zeugin von etwas wird, das sie nicht hätte sehen sollen. – Das ruft James Beaufort auf den Plan, einen ihrer Mitschüler, der genau der Typ Mensch ist, von dem Ruby sich all die Jahre ferngehalten hat. Doch der hat großes Interesse daran hat, dass sie Stillschweigen über die Sache bewahrt, damit seine hochangesehene Familie nicht in Schwierigkeiten gerät – mehr sei an dieser Stelle aber nicht verraten!

Ich muss sagen: Ich habe das Buch verschlungen!

Mit weitaus vielschichtigeren Charakteren als auf den ersten Blick gedacht (den wechselnden Erzählperspektiven sei Dank), räumt dieses Buch mit sämtlichen Klischees romantischer Geschichten auf. Es gibt kein blitzartiges Verlieben bei der ersten Begegnung (im Gegenteil!), keine rosarote Brille, dafür mehr authentische Alltäglichkeit und die Erkenntnis, dass auch viel Geld nicht vor Problemen, Sorgen und Scheitern schützt – es kann die Dinge in der Regel nur besser nach außen vertuschen.

Und obwohl der Titel, zu Deutsch: „Rette mich“, die Handlung bereits gut zusammenfasst, lässt sich die Frage, wer hier eigentlich wen rettet, auf viele Weisen beantworten. Denn in „Save Me“ geht es viel weniger um den symbolhaften Prinzen auf dem weißen Pferd als um die Fragen: Was will ich eigentlich mit meinem Leben anstellen? Wie werde ich glücklich? Wer macht mich glücklich? Und ist es vielleicht Zeit, meine lang geschmiedeten Pläne zu überdenken und neu anzufangen? – alles Themen, mit dem sich die Zielgruppe des New-Adult-Genres über kurz oder lang ebenfalls beschäftigen muss.

Von mir gibt es eine klare Empfehlung für alle, die vielleicht altersmäßig gerade ein bisschen zwischen den Stühlen sitzen und genug von vorhersehbaren und / oder oberflächlichen Liebesgeschichten haben.

Mich würde es sehr freuen, wenn ich Euer Interesse sowohl an diesem Buch als auch am Genre allgemein wecken konnte. Ihr findet „Save Me“ natürlich bei uns in der Bibliothek!

Viele Grüße,

Eure New-Adult-begeisterte Lisa Häßy

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